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Häufig von Kopfschmerzen geplagt?

Ich bin über viele viele Jahre hinweg immer wieder von heftigsten Kopfschmerzattacken heimgesucht worden. Alle Bemühungen, das Problem mit Hilfe von Ärzten in den Griff zu bekommen, blieben vergeblich. Die Diagnose lautete mal auf Spannungskopfschmerz, mal auf Migräne. Medikamente blieben ohne positive Wirkung. So hatte ich mich eigentlich schon damit abgefunden, dass ich auf Dauer damit leben muß. Dann bin ich in einem Internet-Forum auf Hinweise für die Ursache meines Problems gestoßen: Offensichtlich vertrage ich kein Glutamat! Ich habe zwar immer schon einen Zusammenhang mit der Ernährung vermutet, aber bis dahin keine konkreten Bezüge herstellen können. Wenn man sich dann allerdings vor Augen führt, wie viele Lebensmittel Glutamat enthalten, ist das auch kein Wunder.

Auf keinen Fall möchte ich mich hier darin ergehen, Glutamat zu verteufeln, denn die Mehrzahl der Menschen verträgt es ja wohl sehr gut. Im Übrigen ist Glutamat auch nicht unbedingt als Zusatzstoff in Lebensmitteln enthalten, sondern entsteht zum Beispiel in Tomaten oder im Käse auf ganz natürliche Weise. Wichtig ist für mich nur, zu wissen, worin (wie) viel Glutamat enthalten ist, damit ich diese Dinge meiden kann. Da liegt aber der eigentliche Kern des Problems. Die Diskussionen über Glutamat werden oft äußerst emotional geführt und die Standpunkte der Parteien nehmen dann eher ideologische als sachliche Züge an. Dazu kommt, dass, wie ich den Eindruck habe, die Problematik von der Medizin und der Nahrungsmittelindustrie nicht ernst genommen und eher heruntergespielt wird. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass "ein Zusammenhang zwischen dem Glutamatgehalt der Nahrung und dem Auftreten der genannten Symptome durch wissenschaftliche Studien nicht belegt werden kann" (Aussage meiner Krankenkasse). Es ist daher sehr schwer, brauchbare Informationen zum Thema zu bekommen. Es mag ja tatsächlich sein, dass Glutamat nicht der unmittelbare Auslöser von Beschwerden ist. Dann scheint es aber immerhin ein brauchbarer Indikator für problematische Lebensmittel zu sein. 

Mein Tipp für alle, die einmal ausprobieren möchten, ob hier die Ursache ihrer Leiden zu suchen ist: Einmal über ein bis zwei Wochen hinweg eine strikte Diät einhalten, die glutamathaltige Lebensmittel ausschließt oder zumindest vermeidet. Das ist nicht einfach und das Essen wird zunächst sehr monoton. Man kann dann aber nach einer gewissen Zeit ausprobieren, was einem gut bekommt. Die Schwelle, ab der man mit Glutamat Probleme hat, ist wohl sehr individuell. 

Nach meiner Erfahrung sollte man das Folgende auf jeden Fall meiden: Fertiggerichte aller Art, Gewürzmischungen, Wurst, aromatische Käsesorten, Tomaten(-mark), Fertigsoßen, herzhafte Knabbersachen, Brühwürfel und gekörnte Brühe. Auch Bohnen und Aprikosen meide ich inzwischen.

Schon beim Einkauf auf die Zutatenlisten achten! Angaben wie Mononatriumglutamat bzw. E 621 (und folgende), Geschmacksverstärker, Aromen (auch natürliche) oder Gewürze (als nicht weiter spezifizierte Angabe) müssen misstrauisch machen. Aber auch Käse und Tomaten sollten nicht enthalten sein. Es ist  nicht einfach, herauszufinden, welche Lebensmittel Glutamat enthalten, da es, wenn es natürlicher Bestandteil ist, nicht weiter deklariert werden muss. Ich habe sogar den Eindruck, dass manche Brot- und Brötchensorten nicht unkritisch sind. Aufpassen muss man jedenfalls bei allem, was "herzhaft" schmeckt. 

Diskussionen mit Fachverkäufern, Köchen und Restaurantbedienungen sollte man mit viel Fingerspitzengefühl führen. So manch einer fühlt sich bei einer Frage, ob da Geschmacksverstärker oder Glutamat "drin" seien, schnell auf den Schlips getreten. Ich ziehe es vor, erst einmal ganz allgemein zu sagen, dass ich Probleme mit Gewürzen habe und frage dann, wie die Speisen gewürzt werden. Der Bitte, Kurzgebratenes nur mit Salz und Pfeffer zu würzen, nur Salz und kein Pommesgewürz an die Pommes Frites zu tun oder den Salat ohne Dressing mit Essig und Öl zum selbst anmachen zu servieren, wird fast immer entsprochen. Überhaupt ist das ein sehr sensibles Thema, mit dem man auch problemlos jede Gastgeberin in den Wahnsinn treiben kann. An dieser Stelle sagen ich all denen vielen Dank, die mich trotzdem noch zum Essen einladen!

Wenn man nun also auf Glutamat mit Kopfschmerzen reagiert, lohnt es sich auf jeden Fall, hier etwas Aufwand zu betreiben. Ich jedenfalls bin jetzt auch ohne Medikamente weitgehend beschwerdefrei. Nur hier und da, wenn ich doch mal daneben gegriffen haben sollte, nehme ich bei den ersten Anzeichen ein leichtes Schmerzmittel. Ob es auch wirklich hilft, vermag ich nicht zu sagen.

Ein Hinweis zum Schluss: Ich kann (und darf) hier keinen medizinischen Rat erteilen und gebe auch nur meine persönlichen Meinungen und Erfahrungen wieder. Für sachliche Diskussionen stehe ich jedoch jederzeit gern zur Verfügung.

Hinweis: Der bisher hier verlinkte Text "emsley.pdf" von www.wissenschaft-online.de wurde dort leider entfernt. Er  stammt aus dem Buch "Wenn Essen Krank macht" des englischen Chemikers Dr. John Emsley und des Allergologen Dr. Peter Fell, erschienen im Verlag WILEY-VCH  (ISBN 3-527-30261-1). Das Buch beschäftigt sich in äußerst sachlicher und verständlicher Weise mit Inhaltsstoffen unserer Nahrung und den Unverträglichkeitsreaktionen, die sie bei manchen Menschen hervorrufen können. Eine höchst empfehlenswerte Lektüre!


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